Sonntag, 13. Oktober 2013

Die Textilindustrie und ihre Opfer

Hallo, 

heute möchte ich sehr gerne über ein wirklich kritisches Thema schreiben. Es geht um die Textilindustrie und ihre Opfer. Ich möchte, die Thematik an einem Beispiel besprechen.  


Über einen typischen Textildiscount - Primark

PRIMARK, ein typischer Textildiscount, wurde 1969 in Dublin unter dem Namen Penneys gegründet. Seitdem wurden insgesamt 257 Filialen in 8 Ländern eröffnet. PRIMARK beschäftigt 27.500 Angestellte und erzielt einen jährlichen Umsatz von 3,2 Mrd. €. PRIMARK produziert ausschließlich in dem Billiglohn-Land Bangladesch und verspricht seinen Kunden, dass alle Artikel zwischen 2 und 35€ (bzw. £ kosten).  



Wie ist das möglich?

Nun könnte man sich fragen, wie das möglich ist. Dazu muss man wissen, wie Textildiscount im Allgemeinen funktioniert. Nötig, um eine hohe Gewinnspanne einzufahren, sind drei Faktoren: Die produzierte Kleidung muss im Einkauf günstig sein. So kostet eine in Bangladesch produzierte Hose inklusive Verschiffung nur 1€. Weiter muss es dem Textildiscount möglich sein, ohne Werbung auszukommen. Dadurch können die Ausgaben weiter gesenkt und der Gewinn gesteigert werden. 

Letztlich kann durch einen Einkauf von Kleidung in Massen der Einkaufspreis weiter gesenkt werden. So können Gewinnspannen von über 50% erzielt werden. PRIMARK hat sogar Gewinnspannen von über 80%. Die Firma nutzt keine Werbemittel, sondern verlässt sich auf eine gut funktionierende Mundpropaganda. 


2012 wurden Textilien im Wert von ca. 8 Mrd. Euro aus China importiert, der Einfuhrwert der Textilien aus der Türkei lag bei 3,07 Mrd. Euro, der von Textilien aus Bangladesch bei 2,9 Mrd. Euro. Von diesen Billiglohn-Ländern ist Bangladesch das Land mit dem geringsten Lohn.  


Die Textilindustrie in Bangladesch

In Bangladesch sind ca. 3,5 Millionen Arbeiter in der Textilindustrie beschäftigt (Tendenz: Steigend). Der Monatslohn eines gewöhnlichen Arbeiters in einer Textilfabrik liegt dort bei 3000 Takka, was in etwa 30€ entspricht. Üblich ist dort eine 7 Tage-Woche mit 12 oder mehr Stunden Arbeitszeit. Notwendig zum Leben in Dhakar sind für eine vierköpfige Familie umgerechnet 100€ (hierbei handelt es sich um einen minimalen Lebenstandard). 

Defacto müssen also alle 4 Familienmitglieder einer dort ansässigen Familie in einer Fabrik arbeiten, um gerade so über die Runde zu kommen. 
In Bangladesch sind die Arbeitsbedingungen unabhängig von der schlechten Bezahlung alles andere als gut. Es gibt keinen Mutterschutz oder Krankengeld, dafür gibt es jedoch immer wieder sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz. Niemand achtet auf die Sicherheit der Arbeiter, sodass es oft zu Todesfällen kommt. 

So starb 2009 eine 18-jährige Näherin, nachdem sie 7 Tage lang 13 bis 15 Stunden in einer Fabrik arbeitete und an Erschöpfung starb. 
Bei einem Brand im November 2012 starben 117 Menschen, weitere 200 wurden verletzt. Selbiges geschah in Chittagong mit 50 verletzten Menschen. 


Weitere Aufmerksamkeit zog das Unglück in Sahbar auf sich. Bei diesem starben 1100 Menschen im April 2013. Nachdem am Vortag bereits Risse in der Fabrik festgestellt wurden und die Polizei das Gebäude sperren ließ, arbeiteten auf Geheiß des Fabrikleiters am Unglückstag 3000 Menschen in der Fabrik.


Als Folge dieses Vorfalls wurde das „Abkommen zum Brand- und Gebäudeschutz in Bangladesch“ beschlossen und 18 Fabriken geschlossen. In dem Abkommen wurden einige Richtlinien zur Textilproduktion in Bangladesch festgelegt, welche scheinbar die Sicherheit und den Lebensstandard der Näher und Näherinnen verbessern sollten. An dieses Abkommen wird sich jedoch in Form einer „freiwilligen Selbstkontrolle“ jedoch nicht gehalten, sodass sich nichts geändert hat. 

Bereits im Mai 2013 und im Oktober 2013 gab es weitere Unglücke mit Todesfolgen in Bangladesch. 

Ich denke, jeder sollte sich die Frage stellen, ob es besser ist für wenig Geld bei Geschäften wie PRIMARK einzukaufen oder lieber etwas mehr Geld zu investieren und damit sicher zu sein, dass man diese Ausbeutung nicht unterstützt. 



Ich unterstütze diese Ausbeutung nicht und finde es wichtig, dass du, verehrter Leser, dir ernsthaft Gedanken über diese Thematik machst. 

 Dein Kaito Kuroba. 


Quellen:
  •  ZDF heute
  • tagesspiegel.de
  • fr-online.de
  • statistica.com
  • handelsblatt.com
  • primark-ethicaltrading.de
  • wikipedia.de